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Genau lesen!

Klettern war gestern, heute ist Arbeitstag und der beginnt mit Zeitungslektüre.
Empfehlung: Interview mit Landeshauptmann Sausgruber genau lesen. Die wirklichen "Hämmer" kommen auf sanften Pfoten daher...

https://derstandard.at/?id=2167222


Beispiel: "Wasserrahmenrichtlinie ist eine bürokratische Übertreibung (!!)" oder "Man kann den Umstand, dass wir zum dritten Mal in sieben Jahren ein so genanntes Jahrhundertereignis hatten, nicht einfach zur Kenntnis nehmen" - und dann kommt nichts; kein Wort darüber, dass bestimmte Entwicklungen (Bodenversiegelung, Bodenverdichtung, Verkehrspolitik, falsche Raumplanung, fehlende Fluss-Renaturierungen...) endlich kritisch hinterfragt werden müssen.
Was hier als "Pragmatismus" verkauft wird, ist Erstarrung und Stillstand, das Ignorieren daramatischer Veränderungen. Ältere Leute sagen dazu auch Halsstarrigkeit. Diese Verweigerung des kritischen Blickes auf das eigene Land und das eigene Tun ist im Grund fahrlässig - jenen gegenüber, die in zwanzig, dreißig Jahren hier leben müssen.

"Weil sie da sind!"

Warum besteigt der Mensch Berge? "Weil sie da sind!"
sagte - wer noch gleich? - Hillary? - weiß nicht mehr.
Meine Antwort: weil sie schön sind! Und weil über kompakten, grauen und wasserrillenzerfurchten Rätikonkalk sowieso nichts geht....

chli venedig 005

(Klettergebiet chlein venedig, Rätikon-Südseite)

Aufräumarbeiten

Aufräumarbeiten nach dem Hochwasser: auch politisch ist einiges auf-, aus- und einzuräumen. Auch umräumen wird man manches müssen:



Die Diskussion wird wichtig!
Wichtiger jedenfalls, als das beleidigte Getue des Herrn Klaus, der sich auf die Zehen getreten fühlt, weil ich den Deal rund um die Bodenseeschifffahrt kritisiert habe.
Klagsdrohungen um Kritiker mundtot zu machen.
Ich werde mal Peter Pilz fragen, wie das so ist....

Nachtrag zu New Orleans

Zwar ist immer leicht reden, wenn man nicht dort ist und genau sieht, was sich abspielt, aber: die Heftigkeit, mit der sämtlicht amerikanischen Medien die Bush-Administration prügeln, spricht schon Bände. Logistisch in der Lage, eine ganze Armee im Sandsturm auf Bagdad vorrücken zu lassen, aber unfähig, eine Stadt zu evakuieren und nach der Katastrophe zu versorgen!
Mein Vorurteil wird schon wieder bestätigt....

Über dem Wasser

Die Aguglia Goloritze: Eine Kletterroute in Sardinien; fünf Seillängen, 140 Meter; Schwierigkeitsgrad 6b, 5c obligatorisch. Das sind die nüchternen technischen Daten.

Die schönste Felsnadel des Mittelmeeres in der schönsten Bucht des Mittelmeeres. https://www.planetmountain.com/English/Rock/italy/sardinia/02.html
Klettern auf Sardinien ist großartig! Ich werde hinfahren.
Ob ich raufkomme, bleibt dahingestellt....

Banda Aceh, Bezau, New Orleans...

Schlimm ist es, wenn das Wasser kommt und alles überschwemmt. Schlimmer fast ist es, wenn es wieder geht und sichbar wird, was zerstört worden ist. Das war in Banda Aceh so nach dem Tsunami, das war in Bezau (in Au, in Lech, in Nenzing, in Göfis-Schildried...)so, das wird in New Orleans so sein.

Bezau

Ein Ortsteil von der Ach komplett unter Wasser gesetzt, das Zentrum von den kleineren Dorfbächen verwüstet. Viele Privathäuser schwer betroffen. Alle wirken müde. Kein Wunder. Das Bundesheer rückt ab, der Schlamm ist beseitigt. Die Sonne scheint.

Au

Tankstelle, Autohaus, Betriebsgebiet, Wohnhäuser: lokal begrenzt, aber dort heftig. Muren an den Südhängen, eine nach der andern. Bundesheer und Freiwillige haben ganze Aufräumungsarbeit geleistet und werden heute verabschiedet. Die Leute schauen fröhlicher und zuversichtlicher aus als in Bezau. Die zermalmten Autos am Straßenrand und in der Ach sind eindrucksvoll. Dutzende Muren bis hinein nach Schröcken auch. Aber auch hier: Sonnenschein.

Lech

Nobel-Wintersportort.Manche haben sich während der Hochwasserberichterstattung aufgeregt, dass so viel über Lech berichtet wurde, obwohl andere auch betroffen waren. Sie haben gemeint, da werde im Hinblick auf Lech wieder einmal übertrieben.
Zu Unrecht. Lech ist dramatisch betroffen. Die Verwüstungen in gerade neu renovierten Hotels sind brutal. Finanzielle und menschliche Katastrophen. Viele Betroffene sind komplett fertig. Der Bürgermeister hat sein Büro - ein Sonnenschirm, ein Tisch, ein Handy und ein Funkgerät - mitten im Ort aufgeschlagen. Im Dezember soll der Saisonstart erfolgen und alle glauben daran.

Nenzing, Gewerbegebiet

Alle Betriebe geflutet. Maschinen und Material um zehn Millionen zerstört. Von Mutlosigkeit bis Zuversicht alles anzutreffen. Alle wollen die Illdämme erhöht haben, um sicher zu sein, vor einem Nächstenmal. Sonderhilfe wird gefordert, sonst ginge sich das nie aus, mit dem Wiederanfang. fast 300 Menschen arbeiten hier.

Göfis-Schildried

Alle wollen weg.
So rasch wie möglich und mit einem fairen Ablöseangebot für Häuser und Grund. Wer einmal die Runde macht, weiß warum. Dreimal in sechs Jahren ist zuviel.
Wer zweimal die Runde macht und genau schaut, sieht, dass die Häuser fast auf Niveau des Normalwasserstandes der Ill stehen. Nur der Damm trennt Häuser und Fluß. Niemals hätte hier gebaut werden dürfen. Niemals.
Das menschliche Drama ist besonders groß, weil viele ihr Stück Heimat verlassen (müssen).
Mühsam unterdrückter Zorn ist spürbar. Auch verständlich.

Fazit

Viele Fragen bleiben offen. Fragen, die gestellt werden müssen. Fragen nach falschen raumplanerischen Entscheidungen, nach Vorsorge, nach raschen Entscheidungen jetzt. Die Reihenfolge: Katastrophenhilfe abschließen, Wiederaufbau ermöglichen und dann Vorsorge treffen.
"Lernen aus dem Hochwasser" hat es 1999 geheißen.
Diesesmal gilt es wohl eher, Lehren zu ziehen. 2005 muß weitreichende Konsequenzen haben, damit das nächste Hochwasser nicht noch dramatischer ausfällt.
Mir fällt dazu viel ein....

Rund um Vorarlberg

"Rund um´s Ländle" war früher eine Radtour für die, die gut waren und eine lustige Angelegenheit.
Heute war die Tour rund um Vorarlberg überhaupt nicht lustig, weil das erweiterte Präsidium des Vorarlberger Landtages sie mittels Bus absolviert hat, um sich ein Bild über die Schäden in den Hochwassergebieten zu machen.
Bezau, Au, Lech, Klostertal, Nenzing, Göfis-Schildried.
Viele Gespräche mit Betroffenen und die Wahrnehmung dessen, was das Hochwasser angerichtet hat, vermitteln ein neues Bild. Ein Bild, das Zeitungen und Fernsehen niemals vermitteln können.
Ich werde eine Nacht darüber schlafen, und dann versuchen zu beschreiben......

6 Milliarden jährlich

Und das ganze nennen sie dann "Konsolidierungsbedarf" statt Budgetkürzung.

MenschenMeinungen

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